ITSI – Moderne Lernumgebung für den Campus von morgen

Ein Jahr und 19 Tage ist er her – der Projektstart von ITSI: Moderne Lernumgebung für den Campus von morgen. Das Projekt, welches zukünftige Lern- und Arbeitsumgebungen an der Universität Basel gemeinsam mit internen und externen ExpertInnen skizzieren möchte, hat das LearnTechNet im ganzen Jahr 2012 intensiv begleitet. Als Nachfolgeprojekt der ersten ITSI-Phase (1. Januar 2010 – 30. Juni 2011) gestaltet sich auch die zweite Phase (1. Dezember 2011 – 30. April 2013) sehr umfangreich. Deshalb wurde der Bereich Bildungstechnologien, welcher das Projekt leitet, ab 1. Februar 2012 um eine 80%-Stelle für die Projektkoordination erweitert. In der nachfolgenden Grafik ist der Projektverlauf der zweiten ITSI-Phase schematisch dargestellt.

ITSIAbbildung 1: Das Projekt ITSI im Zeitstrahl

Wie wir in den LTN-News 12/1 (http://ltn.unibas.ch/ltn/newsletter.119.html) berichtet haben, strukturiert sich das Projekt entlang einer Raummetapher, die einer fokussierten Thematisierung verschiedener Elemente einer zukünftigen Lern- und Arbeitsumgebung an der Universität Basel dient. Dabei sollen physische und virtuelle Aspekte stets gemeinsam betrachtet werden. Jeder Workshop hat zusätzlich einen bestimmten Fokus: So wurden im Workshop PRÜFUNGSräume verschiedene Optionen für computerbasierte Prüfungen erkundet (siehe LTN-News 12/2), im Workshop LEHRräume die Usability physischer und virtueller Lehrumgebungen analysiert, im Workshop LERNräume die Bedürfnisse der Studierenden hervorgehoben und im Workshop ZWISCHENräume deren Charakteristika und kulturelle Aspekte exploriert. Der letzte ITSI-Workshop am 17. Januar 2013 zum Thema SPIELräume wird auf den Beitrag von Spielen zur Innovation von Lehre fokussieren.

Lesen Sie in den nachfolgenden Berichten mehr über die Workshops LEHR-, LERN- und ZWISCHENräume, sowie über eine Vorstudie zu den LERN- und ZWISCHENräumen.

ITSI-Workshop LEHRräume: Usability physischer und virtueller Lehrumgebungen

Die Universität Basel ist mit über 70 verschiedenen Standorten in der ganzen Stadt verteilt und besitzt entsprechend sehr vielseitige Lehrräume. So wird an der Uni einerseits in sehr modernen Vorlesungssälen wie beispielsweise am Pharmazentrum und andererseits in historisch gewachsenen Seminarräumen wie beispielsweise an der theologischen Fakultät unterrichtet. Für das ITSI-Projekt war die Frage, welche in Bezug auf Lehrräume an der Uni Basel gestellt werden muss also klar: Was sollte sich ändern in den [bestehenden] LEHRräumen? – und: Wie verändern sich aktuell und zukünftig Lehre und damit auch LEHRräume unter dem Einfluss von didaktischen, technischen, organisatorischen und bildungspolitischen Entwicklungen?

Das Thema der Usability wurde von einer räumlich-physischen und einer räumlich-virtuellen Perspektive beleuchtet. Prof. Dr. Fred van den Anker von der Hochschule für Angewandte Psychologie, FHNW Olten, führte mit einer Gruppe der Workshop-Teilnehmenden ein Usability-Testing der Lehrplattformen Moodle und EVA durch. Jürgen Dürrbaum, Maria Clusa und Maxime Zenderoudi von der Vitra AG, Birsfelden, führten die andere Teilnehmenden-Gruppe in die Beurteilung von Räumlichkeiten aus einer Designerperspektive ein.

Lesen Sie in unserem Rückblick mehr über den Workshop LEHRräume vom 21. September 2012 und entdecken Sie weitere Dokumente zum Tag im Downloadbereich auf dem ITSI-Blog: http://itsi.ltn.unibas.ch/?page_id=719

Lern- und Zwischenräume an der Universität Basel: eine qualitative Vorstudie

Wo und wie lernen Studierende an der Universität Basel? Was nutzen sie und was wünschen sie sich? Was bieten die Fächer an und inwieweit entsprechen die Angebote den Bedürfnissen? Und: Braucht es überhaupt spezifische Lernräume oder findet Lernen an nicht dafür spezifizierten Orten statt? Diese und weitere Fragen stellen sich uns im Projekt ITSI bei der Vorbereitung der Workshops LERN- und ZWISCHENräume.

Um darauf erste Antworten zu finden, wurde von Helen Kaufmann, freie Mitarbeiterin im Bereich Bildungstechnologien, eine qualitative Vorstudie zum Thema Lern- und Zwischenräume an der Universität Basel durchgeführt. Vorgegangen ist sie dabei explorativ, mit dem Ziel, erste Hypothesen zu entwickeln.

Die Studie hat für uns interessante Aspekte zum Vorschein gebracht: Mit den Raumangeboten selbst sind die meisten Befragten zufrieden, auch wenn es wie erwartet Optimierungsmöglichkeiten gibt. Probleme bergen vielmehr unterschiedliche Erwartungen und Nutzungskulturen, nicht geteiltes Wissen oder saisonale Schwankungen. Helen Kaufmann hat die Ergebnisse der Vorstudie in einem Bericht zusammengefasst, den Sie hier finden: http://itsi.ltn.unibas.ch/?page_id=722

ITSI-Workshop LERNräume: Die Sicht der Studierenden

Der dritte Workshop der ITSI-Veranstaltungsreihe zum Thema Lernräume hat am 31. Oktober stattgefunden. Im Fokus standen die Studierenden und deren Lernräume, deshalb wurde der Workshop am zentralen Lernort auf dem Campus abgehalten: in der Universitätsbibliothek. Betrachtet wurde an diesem Tag jedoch nicht nur der physische Ort, an dem Lernen stattfindet, sondern auch die zeitlichen, curricularen, medialen oder methodischen Komponenten, die den Lernraum mit konstituieren.

Mit dem Beitrag „Enttäuschte Hoffnungen und trotzdem Potential?! Über mögliche Rollen von Technologie in virtuellen und realen Lernräumen“ eröffnete Tobias Jenert von der Universität St. Gallen den Workshoptag aus der Perspektive der Mediendidaktik. Er ging im Dialog mit dem Publikum – den Studierenden und Dozierenden, den E-Learning-Expertinnen und Didaktikern – unter anderem der Frage nach, inwieweit die ‚reale‘ Lernumgebung der heutigen Hochschule mit der digitalen Wirklichkeit heutiger Studierender noch zusammenpasst.

Anschliessend wurde das Thema Lernräume aus der Sicht der Studierenden beleuchtet. Wie und wo heute gelernt wird und was für die Studierenden eine gute Lernumgebung ist, war vorbereitend auf den Workshop in vier unabhängigen Vorstudien mit unterschiedlichem Fokus eingefangen worden – unter anderem in der oben vorgestellten Studie von Helen Kaufmann. In einer zweiten Präsentation fasste Gudrun Bachmann die Ergebnisse zusammen. Als Kern aktueller Veränderungen entwickelt sie das Bild der studentischen Lernwanderer und leitete daran verschiedene Themenfelder mit besonderem Handlungsbedarf ab. Aus den Vorstudien zieht sie das Fazit, dass der „traditionelle Campus“ nicht mehr zum „Studieren von heute“ passt.

Illustriert wurde dies anschliessend in einem Beitrag der Studierenden. Ruth Arbenz, Andreas Cattin, Björn Lupp, Nora Köhli, Daniel Madero und Beatrice Schibler stellten anhand typischer Studientage in den unterschiedlichen Fächern ihre „persönlichen Lernräume“ vor und zeigten damit verbundene Problemfelder auf. Auf der Basis ihrer typischen Studientage wurden am Nachmittag gemeinsam mit den Studierenden Lösungsvorschläge entwickelt, die den aktuellen Entwicklungen gerecht werden und die gelebte Lernkulturen unterstützen. Die erarbeiteten Lösungsideen reichten vom „Free Room Finder“ über  „Erholungsräume für die Lernwanderer“ bis hin zum einfachen Wunsch nach „mehr Steckdosen“. Nach Abschluss der ITSI-Workshopreihe sollen im kommenden Jahr ein machbarer Lösungsvorschlag umgesetzt und eine weitere Idee ungeachtet der kurzfristigen Umsetzbarkeit längerfristig weiterverfolgt werden.

Die Präsentationen der Inputreferate, eine Dokumentation der Lösungsideen und Rückmeldungen der Workshopteilnehmenden finden Sie auf unserem ITSI Blog im Downloadbereich: http://itsi.ltn.unibas.ch/?page_id=722

ITSI-Workshop ZWISCHENräume: Choreographien des Informellen

Der vierte ITSI-Workshop widmete sich einem Raumtypus, der einerseits bei der Planung und beim Bauen von Gebäuden ohnehin entsteht, andererseits aber spezifische Funktionen erfüllen soll und deshalb in Zukunft mehr Beachtung verdient: „Zwischenräume“. Dazu gehören natürlich zunächst Transferräume (Wege, Korridore, Treppen) und Knotenpunkte (Plätze, Treppenabsätze, Foyers, Wartezonen). Wir fassen den Begriff aber weiter: Zwischenräume sind die Orte, die den Mitgliedern einer Organisation zum informellen Austausch und zur Erholung dienen, seien es physische oder virtuelle Räume, Rückzugsorte oder Treffpunkte, Veranstaltungsorte wie die skuBAR, Bewegungsangebote wie beim Unisport oder ganz einfach Verpflegungsorte (Mensa, Caféteria, Getränkestationen etc.) – gilt doch die Kaffeetasse zu Recht als „bestes Medium für den Informationsaustausch“. An all diesen Orten finden Treffen statt jenseits der Arbeits- und Studienziele, quer zu Hierarchien und Disziplinen; hier werden Informationen weitergegeben, Fragen jenseits des formalen Studienbetriebs besprochen, Ideen ausgetauscht, Projekte angedacht und Initiativen gestartet.

Häufig geraten Zwischenräume aus dem Blick, sind Nutzenden und Planenden weniger bewusst, denn, wie es eine Diskussionsteilnehmerin formulierte: „they just happen“. Entsprechend hatte dieser Workshop einen explorativen Ansatz; er führte die Teilnehmenden in Kleingruppen zu vielen verschiedenen Zwischenräumen der Universität Basel. Unterwegs begegneten sie vielen Themen, die in diesen Räumen „wohnen“:

  • Interdisziplinärer Austausch: Joanna Ball und Frank Verano von der University of Sussex, U.K., stellten ihre Idee des „Research Hive“ vor, in dem sich Forschende verschiedenster Fachrichtungen informell begegnen, vielfältige Informationsangebote und ein „Zuhause“ an der Universität finden. Drei Doktorierende begleiten das Projekt mit einem Blog und stellen den Kontakt des Projektteams zu den Nutzenden sicher.
  • Virtuelle Zwischenräume: Hartmut Schulze (Fachhochschule Nordwestschweiz) und seine Kollegen von der FHNW und der HGK brachten den Kleingruppen in Gesprächen und Experimenten sehr anschaulich ein Forschungsprojekt zum Thema „Virtuelle Begegnungsräume“ nahe. Zudem stellten Stefan Cordes (Freie Universität Berlin) und Ursula Schwander (Fernuniversität  Hagen / Universität Basel) an Beispielen vor, welche Projekte an anderen Universitäten bereits umgesetzt wurden: In Berlin ein Blogging-System, in Hagen ein Virtuelles Café für Studierende – beide Zwischenräume bieten Austauschmöglichkeiten in der virtuellen Welt und zugleich Identifikationsräume für Universitätsangehörige.
  • Studentisches Engagement: Freiräume ausserhalb des Studienbetriebs ermöglichen Studierenden, die Universität mitzugestalten und Initiativen zu aktuellen Themen zu entwickeln – an dieser Station kamen die Teilnehmenden ins Gespräch mit Mitgliedern der skuba, des dinx-Shops und der Studierendeninitiative SDUBS (Students for Sustainability at the University of Basel).

Die individuellen Beobachtungen der Workshop-Teilnehmenden wurden zunächst informell innerhalb der Gruppen geteilt und anschliessend in einer Plenumsdiskussion zusammengetragen. Visuelle Eindrücke vom Workshop bietet der ITSI-Blog:
http://itsi.ltn.unibas.ch/?p=817

Hier finden Sie auch die Dokumentation einer „Intervention“ zum Thema ZWISCHENräume, die wir vor dem Workshop durchgeführt haben – um die Bedürfnisse und Nutzungskulturen in den Zwischenräumen unserer Universität kennenzulernen und mit vielen Beteiligten ins Gespräch zu kommen. Realisiert wurde die Intervention mit Leihgaben der Vitra AG, Birsfelden, sowie mit freundlicher Unterstützung des Ressorts BHTS und vieler, die für das Kollegienhaus Verantwortung tragen und dort tätig sind. Dafür an dieser Stelle noch einmal herzlichen Dank!
http://itsi.ltn.unibas.ch/?p=862

ITSI Highlights 2012

Besonders im Herbstsemester galt für das ITSI-Team die Regel: nach dem Workshop ist vor dem Workshop. Dass es allerdings auch einige interessante Ereignisse zwischen den Workshops gab, macht folgende Auflistung von Highlights im Jahr 2012 deutlich:

  • Januar: Projektbeginn mit einem eintägigen Planungsworkshop des Bereichs Bildungstechnologien
  • Februar: Stellenbeginn der Projektkoordinatorin
  • März: Auf Basis der frei verfügbaren Software WordPress.com wird ein einfacher Projektblog erstellt. Später wird das Layout von Outline.Enterprise professionell überarbeitet.
  • April: An den eduhub days 2012 wird das Projekt der schweizweiten E-Learning-Community vorgestellt.
  • Mai: Ein neues Gesicht wird dem Projekt durch die Gestaltung des New Media Center der Universität Basel verliehen.
  • Juni: Exkursion an die Fakultät für Architektur an der TU Delft in den Niederlanden
  • Juli: Helen Kaufmann exploriert verschiedene Lern- und Zwischenräume an der Universität Basel und fasst die Erkenntnisse in einem Bericht zusammen.
  • August: Einen Einblick in die Wünsche der Studierenden für ihre physische (organisiert von der Vitra AG) und virtuelle (in Zusammenarbeit mit SWITCH) Lernumgebung geben zwei Workshops im Sommer.
  • September: Als Nachfolgeprojekt des Workshops PRÜFUNGSräume kann eine Interessensgruppe „SIG E-Assessment“ gegründet werden. Die HIS GmbH wird zudem mit einer gutachterlichen Stellungnahme möglicher E-Assessment-Szenarien für die Universität Basel beauftragt.
  • Oktober: Exkursion an die ORGATEC 2012 – Internationale Leitmesse für Office & Object in Köln
  • November: Im Alumni Magazin 2/12 der Universität Basel wird über das Projekt ITSI berichtet. In einem eduhub-Webinar wird das Projekt zudem der schweizweiten E-Learning-Community präsentiert.
  • Dezember: Ein Experiment im Kollegienhaus zeigt, dass Studierende Sitzgelegenheiten in Zwischenräumen der Universität sehr schätzen.

Das Projekt ITSI zieht zum Jahresende 2012 eine positive Bilanz: Nach gut drei Vierteln der Projektdauer konnten vier der insgesamt fünf Workshops erfolgreich durchgeführt und abgeschlossen werden. Die Dokumentation der Workshop-Ergebnisse wird auf dem ITSI-Projektblog laufend erweitert.

ITSI 2013: SPIELräume-Workshop und Abschlussveranstaltung

Am 17. Januar 2013 findet der letzte ITSI-Workshop zum Thema „Gamification – Wenn Spiele neue Räume erobern“ unter der Leitung von Thomas Lehmann statt. In den Monaten Februar bis April 2013 wird der Fokus auf der Berichterstattung rund um das Projekt liegen. Buchbeiträge der externen ExpertInnen werden redigiert und das ITSI-Team wird eigene Buchbeiträge schreiben, zum einen zu den Erkenntnissen in den verschiedenen „Räumen“ des Projekts, zum anderen zu den Querschnittsthemen Lebenslanges Lernen, Diversität und Nachhaltigkeit.

Ganz herzlich möchten wir Sie bereits jetzt zu unserer ITSI-Abschlussveranstaltung am Freitagnachmittag, 12. April 2013, in der Aula des Kollegienhauses einladen, in welcher wir die Ergebnisse des Projektes zusammenfassen und einen Ausblick auf zukünftige Lern- und Arbeitsumgebung an der Universität Basel werfen möchten. Für diesen Anlass konnten wir als Hauptredner Les Watson gewinnen, den ehemaligen Vice-Chancellor der Glasgow Caledonian University und Berater und Dozent für „Learning Environment Development”. Durch seine Grundhaltung, mit besseren Räumen besseres Lernen zu ermöglichen, sowie mit seiner Erfahrung bei der konkreten Umsetzung von Projekten zur Veränderung von Lern- und Arbeitsumgebungen an Hochschulen bringt er sowohl inspirierende Zukunftsvisionen als auch machbare Lösungsoptionen mit.

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